Blind-Date Edition #4 „Peaches“

Was kommt dabei heraus, wenn sich 12 BloggerInnen zu einem festlegten Song Gedanken machen und die entstandenen Beiträge zeitgleich ins Internet stellen? Unter dem Motto „Peaches“ hat jede/r von uns einen Beitrag zu dem gleichnamigen Song von den The Presidents of the United States of America geschrieben.
Wir wissen nicht was die Anderen geschrieben haben, es gab keine inhaltliche Abstimmung und wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis!

Mit dabei sind:
Gartenbaukunst, Hauptstadtgarten, Beetkultur, Der kleine Horrorgarten, Karo-Tina Aldente, Cardamonchai, Milli Bloom, Rienmakäfer, Garteneuphorie, Grüne Liebe, Garteninspektor, Faun und Farn, Mrs. Greenhouse und Buddenbohm & Söhne
Viel Spaß beim Lesen!

Movin’ to the country

Ich werde heute nicht wie beim letzten Blinddate über Politik schreiben – für President Trump fehlen mir schlichtweg die Worte. Dieser Artikel handelt von dem Versuch mir einen Traum zu erfüllen. Das hat noch nicht ganz geklappt, aber lest selbst.

Aus Berlin zurück aufs Land ziehen. Das habe ich im Jahr 2015 einfach einmal ausprobiert. Ich habe den Schritt nicht einfach so gewagt, nein, ich hatte schon etwas Besonderes vor. Denn natürlich lasse ich 12 Jahre Berlin, meinen Freund, liebe Freunde und meinen Job nicht einfach so dort zurück. Ich wollte die Schmiede retten!

Meine geliebte Schmiede frisch renoviert Somer 2016

Mein Kleinod auf dem Land

Gestatten, das ist die Schmiede. Die Schmiede ist schon über 100 Jahre alt und sie gehörte zu einer schon lange stillgelegten Ziegelei. Die Schmiede steht in Südniedersachsen auf dem Gelände meiner Eltern. Mein Großvater hat sie mal ausgebaut für meine Tante und Ihre Familie. Als die Kinder zu groß wurden für Urlaub auf dem Land mit den Eltern geriet Sie etwas in Vergessenheit.

Ich habe dieses kleine Häuschen schon immer geliebt. Ich fand die Geschichte aufregend, lange gab es noch alte Schienen. Ich hab mir immer lebhaft vorgestellt, wie sie hier früher arbeiteten. Mit heißen Feuer und sprühenden Funken. Wenn meine Tante zu Besuch war, konnte ich mit meinem kleinen Vetter und Cousine spielen. Endlich selbst nicht mehr die Kleinste sein, das fand ich toll, denn ich bin mit Abstand die Jüngste von vier Schwestern. Wir haben dort in meiner Teenager Zeit auch wilde Parties feiern dürfen, da waren meine Eltern ziemlich cool drauf.

Die Schmiede wurde ja nicht als Wohnhaus gebaut und war schon immer etwas feucht, weil sie keinen Keller hat. Nachdem sie nicht mehr bewohnt und dann auch noch als winterliches Pflanzenlager genutzt wurde, zollte das seinen Tribut. Die Feuchtigkeit zog in die Schmiede ein.

Die Renovierung selbst haben zwei saunette Handwerker aus Polen übernommen. Die Schmiede wurde von außen ein mal rundum ausgegraben und abgedichtet. Es wurden auch neue Dachrinnen & Abflüsse installiert.

Entschuldigt das Hochformat und Videoqualität. Ich bin ein totaler Video Anfänger. Das ist die Schmiede von innen. Der Putz wurde mannshoch von den Innenwänden abgeklopft. Danach wurden Löcher in die Wände gebohrt und ein spezielles Wachs eingespritzt. Somit wird die Kapilarität der Tonsteine unterbrochen und die Feuchtigkeit kann nicht wieder aufsteigen.

Ich habe bei der Renovierung kaum etwas Neues gekauft, sondern das was noch da war wie z.B. Gardinen, Bilder und Möbel entstaubt, geschruppt, gestrichen und gewaschen. In der Schmiede versammelten sich unter anderen die Reste der Studentenbuden der Schwestern, da fand sich allerhand Nützliches und Schönes zum aufmöbeln. Auch wurde der Haushalt meiner lieben Großtante aufgelöst und sowieso mag ich gebrauchte Dinge gerne.

Die Vorgehensweise wie ihr sie auf dem Bild unten seht, war mir die liebste. Der Freund am Werk und ich entspanne auf der Luftmatratze.

Auf dem Dachboden ist nur ein kleines Zimmer ausgebaut, welches einen Anstrich in karibikblau verpasst bekam. Der Rest bietet viel Platz als freie Fläche und Strauraum. Und wer weiß, was noch kommen wird. Besonders stolz bin ich auf die Fliesen in der Küche. Azulejos lassen mein Herz höherschlagen. Überall wo es viele Fliesen gibt bin ich im Himmel, vor allen in Marokko oder Portugal und jetzt in der Schmiedenküche.

Von l. nach r. Der Aufgang zu Dachboden, das karibikbaue Zimmer und die Fliesen.

Ich gebs zu, die Küche ist bunt zusammengewürfelt und mit dem Farbpinsel haben wir auch nicht gegeizt. Aber ich kann es einfach nicht lassen. Bunte Farben ziehen mich magisch an und machen mich glücklich. Als mein Vater das etwas verrückte Gatter erblickte, ohne Vorwarnung versteht sich, musste er doch ziemlich schmunzeln.

Es lief nicht so wie geplant

Ursprünglich hatte ich dort auch einiges an Gartenprojekten geplant. Aber leider endete mein Intermezzo auf dem Land doch ziemlich tragisch. Natürlich hatte ich mir vor dem Umzug auch einen Job gesucht. Das Unternehmen reizte mich schon lange als Arbeitgeber, es handelte sich um ein internationales Medizintechnikunternehmen. Die Stelle war für Duderstadt und Berlin ausgeschrieben und ich sollte zwei Tage auf dem Land arbeiten und drei Tage in Berlin. Somit hätte ich antizyklisch pendeln können und selbst entscheiden, wo ich mehr Zeit verbringen mag. Allerdings gab es die Büros in Berlin noch nicht mal und auch ansonsten war die Atmosphäre in der Marketingabteilung super unangenehm. Es gab dort nur unzufriedene Mitarbeiter, Intrigen und Hähme.

Ich war dort so unglücklich, dass ich mir meinen zweiten Bandscheibenvorall in der Lendenwirbelsäule zuzog. Mir ging das einfach alles viel zu nah. Es dauerte fast ein halbes Jahr bis ich wieder auf den Beinen war und so alleine auf dem Land machte das alles für mich keinen Sinn. Also Kommmando zurück nach Berlin, es hatte damals noch nicht sollen sein. Aber ich werde auf jeden Fall eines Tages wieder ganz auf dem Land leben, spätestens wenn wir eine Familie gründen und der Mann an meiner Seite nicht mehr so an Berlin gebunden ist. Meine Kindheit auf dem Land war von so viel Freiheit und Wildheit geprägt, das wünsche ich mir für meine Kinder auch.

Wenn ihr es spannend findet, dann zeige ich euch die Schmiede auch noch mal fertig von innen im Sommer. Denn im Sommer ist es hier wie im Paradies <3.

Comments 14

  1. Puh, was für eine Geschichte, ich bin beeindruckt, aber auch ein wenig traurig, dass es nicht geklappt hat. Wie wichtig leider doch Arbeit in unserem Leben ist, welchen Stellenwert sie einnimmt, ist einfach krass. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass Ihr schnell gemeinsam in die wunderbare Schmiede ziehen könnt. Schönes Wochenende!

    1. Huhu Sandra, dank dir für deinen lieben Kommentar. Ja, die Arbeit ist verdammt wichtig leider, bin aber mittlweile viel entspannter was das alles angeht. Es ist gerad auch sehr schön in Berlin, ich schätze vor alle die Nähe zu lieben Freunden! Ich wünsche dir auch noch einen schönen Sonntag. Lg

  2. Liebe Camilla,,
    also ich seh das so: wenn ihr irgendwann wieder aufs Land ziehen wollt habt ihr schon einen Ort … und dort müsst ihr noch nicht einmal komplett bei Null anfangen.
    Danke für deine bewegenden Zeilen!
    Liebe Grüße
    Björn

  3. Liebe Camilla, gut, dass du den Absprung geschafft hast. Gegen miese Luft im Büro, kann auch die gute Landluft nicht anstinken. Die Fliesen sind entzückend. Wo hast du sie her? Sehen aus als wären sie immer schon da gewesen.

    LG Anja

  4. Liebe Milli,
    jetzt konnte ich mir endlich die gebührende Zeit nehmen, um Deinen Artikel zu lesen. Ich finde es ganz wunderbar, wie Dich der Song inspiriert hat! Danke, dass Du uns an Deinem “Moving to the country” teilhaben lässt!
    Bis bald!
    Anne

    1. Liebe Anne,

      vielen Dank für deine lieben Worte! Ich habe mich sehr gefreut. Du wohnst ja auch in einer großen Stadt, wobei Hamburg echt noch mal nen anderer Schnack ist als Berlin. In Hamburch fand ichs eigentlich immer recht entspannt. LG in die Perle, Milli

  5. Liebe Camilla! Was für eine tolle Geschichte! Ich kann sie richtig spüren Deine wilden Kindertage….ich kann auch Deinen Traum vom Leben in der geretteten Schmiede total nachvollziehen! Ich denke es ist schön, diese Erkenntnis, in Berlin gerade so wie es momentan ist…glücklich zu sein! Du wirst einen Platz finden, an dem Du und Deine Familie mal rumtoben werden! Du hast ihn schon seit Deiner Kindheit in Deinem Inneren geschaffen, Du wirst ihn sicher auch irgendwann an einem schönen Plätzchen umsetzen!

    1. Liebe Gabi,

      deine Worte haben mich sehr berührt. Du hast mich wikrlich so richtig verstanden, wie cool!
      Ich tobe ja auch wirklich sehr, sehr gerne durch Berlin. Deshalb ist es gerade genauso richtig, wie es ist.
      Herzliche Grüße von Camilla

  6. Liebe Camilla,
    also ich finde es ja toll, dass Du noch ein Weilchen in Berlin bist! Und immer wenn ich dich gesehen habe, warst Du voller positiver Energie. Fürs Landleben ist noch ganz viel Zeit und vielleicht ergibt auch irgendwann was, was Du von überall aus machen kannst. Das würde doch auch sehr gut zur Wilden Hilde passen.
    ab einen guten Start in die Woche!
    Liebe Grüße,
    Caro

    1. Liebe Caro,
      ich finde es auch verdammt toll hier zu sein und vor allem euch alle gefunden zu haben und dich auf Gartenevents zu begleiten. Dieses Bloggen macht so Spaß und ohne die ganze Geschichte gäbe es keine MilliBloom! Auf bald?! Und tatsächlich ergibt sich gerade viell etwas, was echt cool wäre.
      ganz liebe Grüße Camilla

  7. Liebe Camilla,
    eine zu Herzen gehende Geschichte, wunderbar! Wenn auch derzeit noch mit Open End. Aber man sieht euch schon beim Lesen in der Schmiede wohnen, die Kinder springen durchs Gras und irgendwo laufen auch noch ein paar Tiere durch die Gegend. Die Zeit bis dahin kann aber auch schön sein, immer wieder eine kleine Landpartie, mit Freunden, Picknickkorb und allem, was dazu gehört. Oder ganz entspannte und ruhige Wochenenden und Sommertage. Verregnete und sonnige Samstage mit vielen Büchern. Und irgendwann wird es passen und das Landleben ruft.
    Liebe Grüße
    Dani

    1. Liebe Dani,

      lieben Dank fûr deinen herzlichen Kommentar. Ich freue mich, dass du dir das leben in der Schmiede so bildlich. vorstellen kannst <3 ich stelle es mor genauso vor wie du es so schôn beschrieben hast:) vor allem hattest du mit den Tieren recht. Ich hàtte so gerne einen Hund und Hûhner und ein lustiges Hûhnerhaus!! Das wird schon alles.

      Herzliche Grûße von Camilla

Schreibe einen Kommentar