Der Klunkerkranich – ein grün und buntes Paradies über den Dächern Berlins

Ein Ort, der von vielen kreativen Menschen kreeirt wird

Welch ein Glück für mich, dass meine liebe Freundin Marta den Sommer 2017 auf dem Klunkerkranich gearbeitet hat. Es hätte sie nicht besser treffen können, denn aus dem ehemaligen Parkdeck der Neuköllner Arkaden in Berlin wurde ein grün und buntes Paradies geschaffen. Die Atmosphäre dort oben ist unbeschreiblich schön. Man merkt sofort, wie viel Liebe und Leidenschaft in diesen Ort gesteckt wird. Der Klunkerkranich ist ein Restaurant, eine Bar und ein Club gleichermaßen und gemeinsam mit dem KlunkerGarten bereichern Sie sich gegenseitig.

Ich möchte Euch insbesondere vom KlunkerGarten, der vom Verein Horstwirtschaft e.V. betrieben wird, erzählen, welcher wahrlich zu den schönsten Urban Gardening Initiativen Berlins gehört. Von dem regen Barbetrieb profitiert der Garten sehr, denn so kommen ausreichend Spenden zusammen, sodass der KlunkerGarten sich voll daraus finanzieren kann. Der Barbetrieb profitiert aber auch von dem Garten, der durch seine Einzigartigkeit gleichermaßen Publikumsmagnet ist.

Mittlerweile ist der Gemeinschaftsgarten im vierten Jahr und die Klunkerkranich Gärtner Eva, Ansgar, Philipp, Nicole und Krischan kümmern sich zusammen mit vielen Helfern um die Pflanzenvielfalt. Ich hatte die Freude Eva und Krischan an einem entspannten Mittwochnachmittag über Marta kennenzulernen und Sie nahmen sich spontan viel Zeit mir von der Entstehung des großen Dachgartens zu erzählen.

Der KlunkerGarten war ursprünglich nicht so groß geplant, doch Sie wurden vom Erfolg überholt. In den letzten Jahren entstand eine ungeheure Dynamik und es fanden sich sehr kreative und künstlerische Leute zusammen, die den Space Klunkerkranich gemeinsam kreieren. Hauptsächlich funktioniert der Kranich übers Netzwerk und es wird vieles recycled. Z.B. haben sie auf Berliner Baustellen nach alten Fenstern gefragt für den Bau eines Gewächshauses. Leider ist der Kreativität (Sicherheits-) Grenzen gesetzt, denn umso größer der Klunkerkranich wird, desto mehr Regularien sind einzuhalten. Hierbei handelt es sich um Brandschutzmaßnahmen wie z.B. brandfreie Sammelplätze und natürlich darf wegen der Statik nicht unendlich Masse dort oben aufgebaut werden.

Schnecken – müssen es erst mal hoch auf das Parkdeck schaffen

Es wurden viele Kubikmeter torffreie Erde mit dem Pritschenwagen auf das Parkdeck gefahren, die Sie von einem Berlinr Friedhof geschenkt bekommen haben. Erde ist vom Gewicht her echt ein Thema, weil sauschwer. Somit werden die Hochbeete zu Hälfte mit Blähton befüllt. Blähton ist leichter als Erde und gibt den Wurzeln mehr Raum und Luft zum Wachsen. So ein Dachgarten hat auch Vorteile, Schnecken schaffen es nicht so leicht da hoch, außerdem gibt es viele Bienen und seltene Vögel. Allerdings bringt ein Garten dem Himmel so nah auch Komplikationen mit sich, die sich mit den Jahren herausgestellt haben. Es ist windig da oben und das führt zu Erosion, sodass die Erde weggeweht wird.  Somit ist der Garten im Sommer sehr pflegeintensiv, was vor allem auch das Gießen betrifft. Das Parkdeck ist rabenschwarz, wird somit knallheiß im Sommer und das Gießwasser verdunstet. Das war echt ein Problem, bis sie ein automatisches Bewässerungssystem eingeführt haben wofür viele Meter Schläuche und Verbindungen benötigt wurden.

 Notwendige Vorgehensweise KlunkerGarten – Trial & Error

Als Pflanzenquelle ergaben sich gleich mehrere Anlaufstellen. Landschaftsgärtner geben Pflanzen ab, die nicht mehr schön genug sind für den Verkauf, sich aber nach etwas Pflege und Geduld wieder erholen und natürlich machen sie bei Saatguttausch mit anderen Berliner Gärten wie dem Prinzessinengarten mit. Es gibt manchmal auch Pflanzenspenden von den verschiedenen Lieferanten und Kooperationspartnern. Von American Spirit gab es Tabakpflanzen, der Kaffeelieferant des Cafés spendierte Kaffeepflanzen und die Berliner Saftschmiede Ostmost stellte Obstbäume bereit, die auf dem Kranich angezogen und später auf einer Streuobstwiese ausgesetzt werden sollen. Natürlich kaufen sie auch Biosamen, ziehen Pflanzen selbst vor oder kaufen Pflanzen. Es gibt auch ein paar giftige Pflanzen dazwischen, was aber nicht gefährlich ist. Viele Heilpflanzen sind ja auch auch giftig – die Dosis macht das Gift!

Für die Hochbeete gibt es verschiedene konzeptionelle Ansätze, so manches funktioniert aber nach dem Prinz Trial & Error. Z.B. wollte der Tiefwurzler Hopfen auf der einen Seite des Kranichs gar nicht wachsen und und auf der anderen gedeiht er nun sehr gut.

Hochbeet-Variationen & Pflanzen:

Der Farbgarten mit dem schönen Namen „Garten der Künste“, in dem Färberpflanzen wachsen wie Indigo Lupinen, die schon von Indianern zum Färbern genutzt wurden, Färberwaid, Krapp, Schöngesicht, Gilbweiderich, Färberkamille, Labkraut, Färberdistel, Färber-Scharte, Färberknöterich, Studentenblumen, Goldrute, Rainfarn, Nacht- und Königskerzen, sowie Färber-Wau. Auch aus Himbeer- und Brombeerblättern kann Farbe gewonnen werden wie aus Schlehe, Schminkwurz, schwarzen Stockrosen, Schafgarbe, Odermennig, Holunder, Heidelbeeren, Dreimasterblume und Johanniskraut. Die Pflanzen werden von Eva genutzt, um Textilien zu färben. (Mehr dazu später im Artikel.)

Duftbeet: Duftrosen, Lavendel, Storchschnabel, Duftnessel, Indianernessel und Holunder. Praktischerweise ist das Duftbeet neben den Klohaus positioniert und erfreut die Gäste somit umso mehr.

Schattenbeet: Farne, Clematis, Hosta, Waldmeister, Leberblümchen, Lungenkraut, Adonisröschen, Goldnessel, Jakobsleiter, Salomonssiegel und Eisenkraut, Waldmeister und Bärlauch.

Brandenburgbeet: Es gibt eine Initiative „Urbanität und Vielfalt“ www.UundV.de zum Erhalt der Pflanzenvielfalts Brandenburgs. Der KlunkerGarten verpflichtet sich dabei die Samen der gezogenen Pflanzen zu gewinnen und abzugeben.

Gemüsebeet: Mit Gemüse haben sie erst letztes Jahr angefangen und nun wächst auch zahlreiches Gemüse dort oben wie Chili, Paprika, Mais, alle möglichen Kohlsorten und Artischocken, Rhabarber, Bohnen, Erbsen, Radieschen, Rote Beete, Möhren, Gurken, Melonen, Kürbis und Süßkartoffel. Es gibt dazu noch ganz tolle Tomatenpflanzen, die um das Gewächshaus herumwachsen. Dies ist ein Kalthaus, Eva aber träumt von einer beheizten Orangerie.

Kräuterbeet: Minze, Salbei, Lavendel, Basilikum Anis Ysop, Koriander und Liebstöckl. Die Kräuter werden natürlich auch für Drinks & Sandwiches genutzt. Das soll in 2018 auch noch gezielter geplant werden.

Der Vertical Garden in der Schnecke ist finde ich besonders gut gelungen und dient als grüne und neugierig machende Begrüßung für die ankommenden Gäste. Die Schnecke ist die gewundene Fahrbahn, über die man das oberste Deck, auf dem der Klunkerkranich gebaut wurde, erreicht. Der Vertical Garden wurde aus Paletten errichtet und mit Sandsäcken vom Katastrophenschutz ausgekleidet, quasi als Pflanztaschen. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass sie mehr Raum für Erde im Vertical Beet brauchen und haben es überall um eine Palette erweitert.

Natürlich gibt es dort auch einen Kompost. Es gibt ja alles Mögliche zu kompostieren, vor allem der anfallende Kaffeesatz aus dem Café.  Es gibt sogar ein elektrisches Kompostsieb, welches die Nutzung der Biomasse erheblich erleichtert. Vor dem Einsatz wird der ph-Wert des Komposts gemessen und dann der Erde als Dünger beigemischt. Zusätzlich wird mit Hornspäne und Brennesseljauche gedüngt und aus Lupinen und Klee Dünger hergestellt.

Nicht umsonst ist der Klunkerkranich ein Gemeinschaftsgarten. Im Sommer finden immer Mittwochs offene Gartentage statt und es gibt einen Neuankömmlingtstag am letzten Sonntag jeden Monats im Sommer. Ziel ist es Leute aus der Umgebung Neuköllns für den Garten zu begeistern und den Klunkerkranich nicht nur als Bar oder Club zu sehen.

WANTED! Workshops mit Gartenbezug für die nächste Saison

Es fanden dort im Sommer auch zahlreiche Workshops u.a. mit einem der Gärtner, dem Ornithologen Ansgar statt. Von ihn konnte man einiges über heimische Vögel lernen oder auch wie man einen Nistkasten baut. Eva ist Expertin auf dem Gebiet Färberpflanzen. Sie bietet Workshops an zur Farbgewinnung mit Pflanzen und der Färbung von Stoffen. Wie man Kräuter in Kübeln zieht, diese erntet und verwertet z.B. auch für Kosmetik, kann man von Burkhardt Bohne, einem Kräuterspezialisten aus Braunschweig lernen (http://kraeutergaertnern.de/). Falls ihr selbst euer Wissen im weitesten Sinne mit Gartenbezug in Form eines Workshops auf dem Klunkerkranich vermitteln wollt im nächsten Jahr, dann schreibt an workshop@horstwirtschaft.de. Schöne Themen wären z.B. der Bau einer Wurmkiste oder eines Bienenhotels.

Ab Oktober ist im KlunkerGarten Nebensaison, die Beete werden mit Mist von dem Kinderbauernhof aus dem Görlitzer Park gemulcht, als organische Düngemaßnahme, sowie Kälteschutz für den bevorstehenden Winter. Geschnitten wird im Winter nicht so viel, um die hübsche Silhouette zu bewahren, die sich im Winter mit Frost und Kälte ergibt.

Öffnungszeiten – jetzt aber schnell vor der Winterpause vorbeischauen

Oktober bis Dezember habt Ihr noch Mittwoch-Freitag von 16:00-01.30 die Gelegenheit den Kranich zu besuchen und am Samstag und Sonntag von 12.00-1.30, sowie zu denselben Zeiten im März bis April. Januar und Februar ist der Klunkerkranich ganz geschlossen und von Mai-September hat der Kranich von Montag bis Samstag von 10.00-1.30 auf und am Sonntag von 12.00-1.30. Schaut mal vorbei.

P.S. Wir alle haben den etwas fiesen, sonnenarmen Sommer 2017 erlebt. Ich habe 2 Bilder bei Google geklaut, weil ich fast nur graue eigene Bilder schießen konnte. Bei der Erstelltung des Artikels kam mir das etwas trist vor und hoffe auf euer Verständnis.

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Comments 2

  1. Liebe Camilla,
    was für ein schöner Post, was für ein tolles Projekt!
    Wenn es mich mal wieder nach Berlin verschlägt, was ich sehr hoffe denn ich mag Berlin total gern….dann im Sommer und dann besuche ich auf jeden Fall den Klunker-Garten.

    Liebe Grüße

    Gabi

    1. Liebe Gabi, herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar! Würde dir bestimmt gut gefallen da oben. Ich habe in anderen Texten über meine Lieblingsorte zum günstig Essen gehen geschrieben, falls du mal auf der Suche bist für deinen nächsten Trip. Hab einen schönen Sonntag und lieben Gruß
      Camilla

Schreibe einen Kommentar